Gavriel Lipkind

CD REVIEWS

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Frankfurter Rundschau
 
Feb. 03, 2007
 
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Unter Elfen, im Zirkus
 
Der 1977 in Tel Aviv geborene und in Oberursel lebende Cellist
Gavriel Lipkind hatte sich kürzlich eine mehrjährige Auszeit vom
Konzertieren genommen - und wofür er die nutzte, kann man nun
bestaunen. Die beiden CDs, die er soeben veröffentlichte und bei
denen er selbst auch als Produzent auftritt, sind Gesamtkunstwerke
geworden.

Ein wenig im Schatten der besonders edel und aufwändig
gestalteten Bach-Solosuiten steht ein kaum weniger detailreich
ausstaffiertes Album mit dem Titel Miniatures & Folklore. Die CD ist
hier verpackt in einem hübschen Büchlein, der Titel scheint wie mit
Kreuzstich eingestickt. Doch bieder geht es hier nicht zu, auch wenn
das Repertoire sich um kleine virtuose Zugabennummern dreht, um
von Lipkind selbst für Cello arrangierte Scherzi, Tarantellas,
Elfentänze, Zirkusstückchen, Meditationen und Lieder ohne Worte
von Moszkowski, Wieniawski, Tschaikowsky, Kreisler und anderen
Meistern der Miniatur.

Lipkind reiht diese Perlen nicht brav aneinander, er setzt sich
vielmehr mit jeder einzelnen intensiv auseinander. Mit extrem
variablem Ton, mal singend, mal perkussiv, mal grell, mal karg wird
er jedem Charakter, jedem Temperament gerecht. Mal trommelt er
dazu auf dem Resonanzkasten, mal begleitet er sich selbst im
multitrack-Verfahren, meist aber assistiert ihm seine
Klavierpartnerin Alexandra Lubchansky bei der ungemein
konturhaften Zeichnung der folkloristischen Linie. Und so kann man,
ja muss man alle 23 Petitessen hintereinander am Stück hören, 77
Minuten immerhin, ohne übersättigt zu sein. Alleine das ist schon
eine unschätzbare Leistung dieses so unbedingten Cellisten aus
Oberursel.
 

Frankfurter Rundschau